Aus der Lügder Geschichte,
nach Forschungen von
Manfred Willeke/Lügde ©


Lügde, Entwicklung und Geschichte seit 784

kirche Lügde, ein schwer zu deutender Stadtname eines Altortes, der vermutlich in der Nähe der Kirche St. Kilian lag. Die Anfänge dieses Altortes, von dem wir heute kaum noch etwas wissen, verliert sich im Dämmer der Ur- und Frühgeschichte. Erstmals wird Lügde urkundlich 784 als Villa Livhidi (Liuhidi) erwähnt. Damals feierte der Frankenkönig Karl der Große hier das Weihnachtsfest.Da er immer mit Hofstaat und Heergefolge unterwegs war, muß die damalige Villa Livhidi eine gewisse Bedeutung und Größe gehabt haben. Ein einfacher Gutshof, wie bisher vermutet, hätte da nicht ausgereicht. Ob es sich um eine ältere Anlage handelte, wissen wir nicht.

Der größte Teil des Emmertales wird moorastig gewesen sein, denn der graue Aueton ließ kein Wasser durch. Die Wiesen zwischen Lügde und Pyrmont waren damals vermutlich von Emmerarmen (Delta) durchzogen.

Eigentümer unserer Gegend waren im 12. Jahrhundert die Grafen von Schwalenberg. Der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg erwarb, nachdem Friedrich I. Barbarossa 1180 den Besitz Heinrich des Löwen zerschlagen und dem Erzbischof die Herzogsgewalt über Westfalen übertragen hatte, 1184 von Graf Widukind von Schwalenberg dessen Allod (=Eigenbesitz) Oesdorf. Zur Sicherung des Herzogtums Westfalen ließ er dort eine Burg erbauen, die er Peters-Berg/Petrimont = Pyrmont nannte. Graf Widukind von Schwalenberg belehnte er daraufhin mit der Hälfte der Burg, nach der sich seine Nachkommen dann "Grafen von Pyrmont" nannten. Noch vor 1195 muß der Erzbischof von Köln, nach damaligen Rechtsverhältnissen neben dem König dazu berechtigt, den Grafen von Pyrmont das Münzrecht für Lügde verliehen haben, mit dem Mark- und Zollrechte verbunden waren. Aus der Zeit um 1195 ist die erste Münze bekannt, die die Grafen von Pyrmont in der Civitas Lude, d. h. dem befestigten Ort Lügde prägen ließen. Die Tatsache, daß die Münzstätte den bereits 784 erwähnten Namen des Altortes trägt, läßt vermuten, daß damals bereits eine gewisse Ansiedlung bestanden hat, die im Machtbereich der Grafen lag. Schon Dr. H. Dörries weist darauf hin, daß Lügde an einem mittelalterlichen Verkehrsweg bzw. Flußübergang (Emmerfurt) gelegen hat und als Burgort eines Dynastengeschlechtes (Grafen von Schwalenberg), schon vor der regelmäßigen Stadtbefestigung, als Rasterort entstanden sein dürfte. Die Prägung der Münzen in der Civitas Lude, d. h. dem befestigten Ort Lügde wird so verständlicher. Die Grafen besaßen demnach auch schon ein festes Haus in Lügde, das bzw. dessen Nachfolgebau am Oberen (südlichen) Stadttor der Stadt Lügde lag und bis zum Erlöschen des Hauses Pyrmont 1494/98 ihr Hauptwohnsitz innerhalb der Stadt und Grafschaft war. Die Lage, unweit der Emmerfurt, war strategisch günstig gewählt. Gegenüber der Kirche St. Kilian gelegen, war von hier aus das ganze Emmertal zu übersehen. Die Emmer bot dazu Schutz vor Angreifern und die Möglichkeit des weiteren Ausbaus. Bei Tiefbohrungen im Vorfeld der 2006-2009 entstandenen Umgehungsstrasse, war eine tiefe, sehr starke Steinverdichtung am Oberen Stadttor, dem Standort der Grafenburg, zu beobachten.

Der weitere Ausbau Lügdes als Marktort dürfte 1203 eingesetzt haben, nachdem die Grafen von Pyrmont einen Teil ihrer Corveyer Rechte verkauft hatten. Den Erzbischöfen von Köln dürfte die damit verbundene Territorialbildung und Herauslösung des Gebietes Pyrmont aus der Gesamtgrafschaft Schwalenberg willkommen gewesen sein, denn dadurch stärkte sich auch ihre Position an der Grenze des Herzogtums Westfalen.

Lügde dürfte langsam, aber stetig gewachsen sein. Neue Einwohner werden sich vermutlich in kleinen Hütten, vielleicht auf Pfählen stehend, angesiedelt haben. Die Gründung und Entstehung der Stadt Lügde kann somit also nicht als Momentaufnahme, sondern als Entwicklung über einen längeren Zeitraum hinweg gesehen werden. Es ist daher wohl berechtigt, eher von der Stadtwerdung Lügdes zu sprechen, beginnend mit dem Altort 784, einer Dynastenburg -an der Stelle des heutigen Oberen Stadttores-, als Schutz an dem Flußübergang (Emmerfurt) eines wichtigen mittelalterlichen Verkehrsweges um 1100-1150, Prägung von Münzen seit 1195.

Nach 1203 siedelten sich im Bereich des Brückentores (Hintere Straße 28-36) die Ritter von Kanne an. Wie weit die Stadtplanung damals gediehen war, läßt sich heute nicht mehr genau sagen. Der damaligen Befestigungsauffassung folgend, wurde an jedem der Stadttore ein Ritter- bzw. Burgsitz zur Verteidigung angesiedelt. Die Ansiedlung der ebenfalls aus dem Gefolge der Grafen von Pyrmont stammenden Ritter von Rebock in der Mitte der heutigen Stadt (Vorderen Strasse Nr. 49) läßt vermuten, daß der Befestigungsbau der Stadt an dieser Stelle zunächst unterbrochen worden ist. Dabei müssen wir uns von der heute oft geäußerten Vorstellung verabschieden, daß die Stadt gleich nach dem Ausbauplan mit Mauern umgeben worden ist, sofern nicht noch Befestigungsanlagen des Altortes vorhanden waren. Die Festungsanlagen dürften zunächst aus einem Wehrgraben bzw. einem umgeleiteten Emmerarm und Holzpalisaden, die aus den Lügde umgebenden Wäldern leicht zu beschaffen waren, bestanden haben. Dabei ist auch zu bedenken, daß die Besiedlung damals eher dünn gewesen ist. Außer ein paar freien Bauern mit ihren Dienstboten, dürfte es zunächst kaum weitere Bevölkerung gegeben haben. Erst nach und nach zogen weitere Bauern aus der Umgebung in die Stadt. So dürfte es damals nicht nur ein finanzielles Problem gewesen sein, großartige Festungsanlagen zu schaffen und die neu befestigte Stadt zu besiedeln. Daher ist die Entstehung der Stadt Lügde, wie oben bereits gesagt, eher als Stadtwerdung zu sehen. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts erbauten die Ritter von Post ihren Burgsitz am Niederen Stadttor. Sie gehörten ursprünglich zum Gefolge der benachbarten Grafen von Schaumburg. Mit ihrer Ansiedlung konnten die Festungsanlagen wohl vollendet und der Stadtwerdungsprozeß abgeschlossen werden. 1314 wird Lügde dann auch erstmals als "Castrum = Festung" bezeichnet.

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Da die Grafschaft Pyrmont mit der Stadt Lügde, als teilweiser Besitz des Erzbischofs von Köln, weit außerhalb des Kölner Gebietes lag, suchten die Grafen von Pyrmont eine Chance zur Lösung von Köln und schlossen sich schon vor 1242 dem Kreis des Grafen Wilhelm von Jülich und damit der Partei des Stauferkönigs Konrad IV. an, zu dessen Gegnern u. a. die Erzbischöfe von Köln zählten. Zunächst war die Stauferpartei siegreich und die Grafen von Pyrmont ersetzten die Kölner Amtsleute und Burgmänner der Burg Pyrmont durch ihre eigenen und nahmen die Burg ganz in Besitz. 1254 zogen Graf Wilhelm von Jülich und Bischof Simon von Paderborn mit ihren Getreuen in den Kampf gegen den Erzbischof von Köln. Sie hatten allerdings nicht mit der Übermacht des Erzbischofs gerechnet und unterlagen. Der Sieg des Erzbischofs von Köln hatte für die Grafen von Pyrmont verheerende Folge. Dieser nahm die gesamte Burg Pyrmont in Besitz und entzog ihnen das Lehnsrecht ihrer Hälfte. Um wenigstens einen Teil ihres Besitzes zu retten, mußten sich die Grafen von Pyrmont dem Wunsch des Erzbischofs von Köln fügen, der ihnen am 23. Juli 1255 eine Urkunde diktierte, mittels der sie dem Erzbischof die Hälfte ihrer opido Luthe = Stadt Lügde als Besitz einräumten und diese als Lehen wieder empfingen. In dieser Urkunde wird Lügde erstmals als "Opido" = Stadt bezeichnet. Der Erzbischof verpflichtete sich, die Hälfte der Kosten zu tragen, die noch für die Stadtbefestigung anzuwenden waren. Man kann also davon ausgehen, daß der Bau der Stadtbefestigung noch nicht abgeschlossen war. In der Urkunde werden auch die jährlich zu wählenden Ratsherren erwähnt, nicht jedoch ein eigener Bürgermeister. Einen solchen finden erstmals 1272 belegt - Ausdruck gewachsener Bürgermacht!

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Neben der Kirche St. Kilian vor der Stadt, hat es innerhalb der Stadtmauer wahrscheinlich nur eine unbedeutende Kapelle gegeben, die seit 1312 durch einen größeren Kirchenbau ersetzt wurde. Diese, der Gottesmutter geweihte Stadtkirche, übernahm dann mehr und mehr die Rolle der Hauptkirche. Die Kirche St. Kilian verlor an Bedeutung. Sie blieb jedoch als Grablege für die Grafen aus dem Hause Pyrmont, die in Lügde ansässigen Adelsfamilien und letztlich als Beerdigungskirche in Gebrauch, denn innerhalb der Stadtmauern konnte wegen des hohen Grundwasserstandes nicht beerdigt werden.

Da die Grafen von Pyrmont keine machtpolitisch bedeutende Stellung hatten, bestand die Gefahr, zwischen den mächtigen benachbarten Herrschaften Braunschweig (vormals Everstein) und Lippe aufgerieben zu werden. Um diesen Prozeß, der offensichtlich schon eingesetzt hatte, aufzuhalten, übertrugen die Grafen von Pyrmont am 6. September 1360 eine Hälfte ihrer Herrschaft Pyrmont an den machtpolitisch bedeutenden Bischof Baldewin von Paderborn, der ihnen dafür versprach, ihnen bei der Wiedererlangung der ihnen abgenötigten Güter zu helfen. Auf diese Übertragung gründete das Bistum Paderborn seine späteren Besitzrechte an der Grafschaft Pyrmont. 1370 wurde Bischof Heinrich von Paderborn vom Erzbischof von Köln zum Marschall von Westfalen bestellt und wurde dadurch auch Besitzer der Kölner Anteile der Grafschaft Pyrmont. Durch geschickte Pfandgeschäfte gelangte der Bischof von Paderborn 1377 schließlich ganz in den Besitz der Anteile Kölns. Damit gehörte Lügde bzw. die Grafschaft Pyrmont zum Gebiet des Bistums Paderborn.

Lügde entwickelte sich als Stadt günstig und die Grafen von Pyrmont vergrößerten mit Hilfe der Bischöfe von Paderborn die Grafschaft durch Pfanderwerbungen, wie 1393 das benachbarte Amt Ottenstein und 1448 die Hälfte des Poller Schlosses und Weichbildes (Gebietes). Der weitere Ausbau der Grafschaft wurde durch das Aussterben der Grafen von Pyrmont beeinträchtigt. 1494 verstarb als letzter Graf Moritz von Pyrmont und 1498 seine Ehefrau Gräfin Margarethe von Nassau. Nun kam es zu einem teils erbitterten Streit um den Besitz der Grafschaft Pyrmont. 1525 wurde den seit 1494/98 regierenden Grafen zu Spiegelberg offiziell der Besitz der Grafschaft Pyrmont zuerkannt. Noch im gleichen Jahr begannen sie mit dem Bau des Schlosses Pyrmont und legten damit den Grundstein für das spätere Fürstenbad Pyrmont.

1539 richtete ein Emmer-Hochwasser in der Stadt großen Schaden an, 1548 brannte die Stadt fast ganz nieder.

1582 wurde der später berühmte Kartograph Johannes Michael Gigas, als Sohn eines evangelischen Geistlichen, in Lügde geboren. Die Reformation hatte sich inzwischen also stark durchgesetzt.

Im Erbfolgekrieg zwischen der Gräfin Walburga zu Gleichen- Spiegelberg und Pyrmont und dem Erzbischof Heinrich von Bremen und Paderborn -um den Besitz der Grafschaft Pyrmont- 1583/84, mußte die Stadt Lügde kapitulieren, da ihre Festungsanlagen den Feuerwaffen nicht mehr Stand halten konnten.

1624 führte Weihbischof Johannes Pelking aus Paderborn die Stadt Lügde zum katholischen Glauben zurück. Am Ende des 30-jährigen Krieges 1648 war ein Drittel der Stadt zerstört und die Bevölkerung völlig verarmt. Zwei Jahrzehnte später, am 14. März 1668, einigten sich Fürstbischof Ferdinand von Paderborn und die Grafen zu Waldeck nach 174 Jahren endlich über den strittigen Besitz der Grafschaft Pyrmont. Die Grafen erhielten neben dem Pyrmonter Brunnen die Dörfer Holzhausen, Hagen, Oesdorf, Löwensen, Thal, Neersen, Baarsen, Eichenborn, Großen- und Kleinenberg und legten daraufhin die Hauptallee und das berühmte Bad Pyrmont an. Der Bischof von Paderborn erhielt die Stadt Lügde, deren Einwohner erfolglos gegen diese Besitzregelung protestierten, denn dadurch wurde die Stadt zu einer Enklave, von anderen Herrschaften umgeben. Der Fürstbischof befahl nach dem Stadtbrand von 1670, die Zahl der Strohdächer zu verringern und genehmigte 1672 die Neuerrichtung des Ziegelofens, die Meister Weck 1678 in Angriff nahm. 1692 legte Meister Peter Illa aus Polle eine Papiermühle (Hohenborn) bei Lügde an. Um den Handel zu beleben, gestattete die Fürstbischöfliche Regierung in Paderborn 1696 die Einfuhr von auswärtigem Bier und Fürstbischof Hermann Werner erließ 1699 eine neue Brauordnung.

1699 siedelten sich die Gebrüder Georg Henrich und Moritz Haßen und Johann Albert Soethe aus dem Gebiet der Pfarrei Sandebeck (heute Stadt Horn-Bad Meinberg) auf dem Harzberg an und begründeten damit das heutige Dorf Harzberg bei Lügde. Das Waldgebiet lag zwar innerhalb des Lügder Gebietes, gehörte aber den Grafen zu Waldeck-Pyrmont, so daß diese bis 1848 die eigentlichen Grundherren der Harzberger Einwohner waren.

1708 genehmigte Fürstbischof Franz Arnold den Aufenthalt von vier Franziskanern in Lügde (Missionsstation) und 1715 die Gründung einer Schulvikarie, um den Unterricht der Schüler in Lügde zu verbessern. Nachdem der Sohn des Lügder Bürgermeisters, Melchior Wolfgang von Nueber, Kanonikus auf dem Petersberg in Brünn 1720 den Franziskanern sein Elternhaus am Niederen (nördlichen) Stadttor geschenkt hatte, genehmigte Fürstbischof Clemens August 1736 die Gründung eines eigenen Klosters, unter dem Patronat des Bistumsheiligen Liborius. 1745 wurde mit dem Bau begonnen, der mit der Weihe der Kirche 1757 abgeschlossen werden konnte.

1743 ließ Generalvikar von Wydenbrück aus Paderborn den Lauf der sechs Osterräder verbieten, weil es dabei zuviel "Sünde und Scandal" gäbe. Die Lügder hielten aber an dieser alten Tradition bis heute fest. Durch den 7-jährigen Krieg 1756-1763, geriet das Fürstbistum Paderborn an den Rand des wirtschaftlichen Ruins. Truppendurchmärsche, Gefechte, Einquartierungen, Natural- und Geldabgaben an das französische und preußische Heer betrugen mehr als sieben Millionen Taler. Auch die Stadt Lügde wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen und war am Kriegsende fast gänzlich bankrott. 1766 mußte sogar die silberne Bürgermeisterkette und der silberne Schützenvogel verkauft werden. Die Stadt beschlagnahmte sogar die Stadtwälle und den Schützenhof am Brückentor, die bisher im Besitz der seit vor 1488 bestehenden Schützenvereinigung (Schützenbruderschaft St. Kilian) waren und verpachtete sie als Heu- und Viehwiese an verschiedene Bürger.

1774 verbot Fürstbischof Wilhelm Anton den Kaffeegenuss im Fürstbistum und 1782 verminderte Fürstbischof Friedrich Wilhelm die Zahl der Feiertage und verbot den Lügder 1785 den großen Aufzug (Passionsspiele) bei der Karfreitagsprozession. 1790 richtete ein Stadtbrand schwere Zerstörungen an und am 13. September 1797 brannten innerhalb eines Tages 256 Häuser, Rathaus und Kirche ab, von denen 26 Gebäude nicht mehr errichtet wurden. Daraufhin sollte die Stadt erweitert und verändert werden, weshalb Fürstbischof Franz Egon eigens eine Kommission nach Lügde schickte, die allerdings nichts ausrichtete.

Am 6. August 1802 besetzten Preußische Jäger unter Oberstleutnant Dombrowsky die Stadt Lügde, die sich mündlichen Überlieferungen nach einen Tag der Besetzung widersetzte. Lügde gehörte nun zum Königreich Preußen und wurde dem Kreis Brakel bzw. dann dem Kreis Höxter zugeteilt. Während der französischen Besetzung 1806-1813 gehörten die Stadt Lügde und das Dorf Harzberg zum Königreich Westfalen. Während dieser Zeit wurde das Franziskanerkloster in Lügde aufgehoben und König Jerome` verschenkte die Orgel des Klosters an die Gemeinde Wilhelmshausen oberhalb von Hann.-Münden, wo sie den Zeitenlauf bis heute überdauert hat.

Nach der französischen Besetzung fiel Lügde wieder an das Königreich Preußen zurück. Mitglieder preußischen Königshauses bemühten sich im 19. Jahrhundert persönlich um die Belebung der sehr zurückgegangenen traditionellen Spitzenklöppelei und des Handels, die im 17. und 18. Jahrhundert, besonders im Bereich der Gold- und Silberspitze, sehr bedeutend war. Die Maschinenspitze verdrängte die handgefertigte Spitze aber schließlich vom Markt. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gewann die Tabak- und Zigarrenindustrie besondere Bedeutung. Trotzdem sahen viele Menschen –besonders die seit dem 16. Jahrhundert in Lügde nachweisbaren jüdischen Kaufleute-, sowie Handwerker- und Bauernsöhne keine Zukunft mehr in ihrer Heimat und wanderten nach Amerika und Südafrika aus.

seiler1823 wurde in Lügde der später berühmte Komponist und Heimatdichter Joseph Seiler geboren (Bild links), dessen Vorfahren seit dem 16. Jahrhundert in der Grafschaft Pyrmont, und dann in der Stadt Lügde, als Amtsleute und Stadtsekretäre eine bedeutende Rolle gespielt haben. Joseph Seiler verstarb 1877 in Münster/Westfalen.
1853 wird –erstmals seit 1624- wieder ein evangelischer Gottesdienst in Lügde gefeiert. Die kleine evangelisch-lutherische Gemeinde errichtete 1864 an der Stadtmauer die St. Johanniskirche, die 1903 durch einen Turmanbau erweitert wurde.

1859 erwarb die katholische Kirchengemeinde das ehemalige Franziskanerkloster, in dem am 3. Oktober 1860 die "Armen Dienstmägde Jesu Christi" (Dernbacher Schwestern) das Krankenhaus "St. Liborius" einrichteten, das bis 1958 bestanden hat.

1866 brach in Lügde die Cholera aus, an der 127 Menschen starben.

1872 wurde die Kilianskirche vor den Toren der Stadt renoviert. Direkt neben der Kirche verläuft seit 1875 die Bahnlinie Hannover-Altenbeken. Lügde teilte sich zunächst mit Bad Pyrmont einen Bahnhof, errichtete aber 1892 einen eigenen.

kirche21895 wurde die Stadtkirche St. Marien durch einen Neubau im Stile der Neugotik ersetzt. 1909 wurde die Stadt an das Stromnetz angeschlossen. Im ersten Weltkrieg 1914-1918 fielen 92 Lügder, 14 wurden vermisst. Nach dem ersten Weltkrieg entwickelte sich Lügde weit über die Stadtmauern hinaus. Es entstand die erste größere Siedlung, die sog. Neustadt. 1930wurde die Wasserleitung gebaut.

Im 3. Reich kollidierte die christliche Weltanschauung der Lügder Einwohner vielfach mit dem System der neuen Machthaber. 1934 z. B. feierten diese "1000 Jahre Osterräder", woraufhin 1935 an der Ablaufstelle der Osterräder von mutigen Lügdern ein zehn Meter hohes Kreuz errichtet wurde.

Verschiedene Luftangriffe auf die Eisenbahnstrecke richteten an der Kirche St. Kilian, aber auch an verschiedenen Häusern Schäden an. 1943 kamen 253 Bombengeschädigte aus Essen nach Lügde, für die verschiedene Behelfsheime errichtet wurden. Im 2. Weltkrieg fielen 114 Lügder, 12 wurden vermißt.

Am 5. April 1945 besetzten die Amerikaner Lügde. In der Stadt brannten durch Beschuß vier Häuser und drei Scheuen ab. Ein Jahr später, am 8. Februar 1946, wurde die Stadt durch ein Emmer-Hochwasser verwüstet, das teilweise 1,80 Meter hoch in der Stadt stand. Dabei kamen rund zweihundert Stück Großvieh, sowie eine Anzahl Schweine und sonstiges Vieh um. In dreihundert Häusern waren sämtliche Räume der unteren Etage unbewohnbar.

1946 kamen 336 Flüchtlinge aus den verlorenen Ostgebieten nach Lügde. Bedingt durch die gewachsene Einwohnerzahl und den dadurch erhöhten Wohnungsbedarf, entstand östlich der Stadt ein großes Siedlungsgebiet. Es siedelten sich auch verschiedene Industriebetriebe an. 1951 schloß sich die Stadt Lügde mit dem Dorf Harzberg zu einer Verwaltungseinheit, dem "Amt Lügde" zusammen.

1964 wurde das alte Rathaus aus dem Jahre 1799 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

1969 endete für Lügde, nach 301 Jahren, das Enklavendasein. Im Rahmen der kommunalen Neuordnung wurde das seit 1951 bestehende Amt Lügde mit Wirkung zum 31. Dezember 1969 aus dem Kreis Höxter ausgegliedert und dem Kreis Detmold (heute Lippe) zugeordnet. Mit den ehemals selbständigen lippischen Gemeinden Elbrinxen, Rischenau, Niese, Köterberg, Hummersen, Falkenhagen, Wörderfeld, Sabbenhausen und den kleinen Siedlungen Henkenbrink, Hünkergrund, Hollhöfen, Ratsiek, Butze, Finkenkamp und Biesterfeld bilden Lügde und Harzberg seither eine Gemeinde.

1970 begannen die sechs Jahre andauernden, umfassenden Renovierungsarbeiten der Kirche St. Kilian, die bis heute unverändert seit dem 12. Jahrhundert im romanischen Stil erhalten geblieben ist.

1978 bildete der Lügder Stadtrat einen Sanierungsausschuß und erhielt in den folgenden Jahren Fördermitteln des Landes NRW für die Sanierung der historischen Altstadt. Die Straßen wurden in verkehrsberuhigte Zonen umgewandelt und die fast vollständig erhaltene Stadtmauer überholt. 1984 feierte Lügde seine erste Erwähnung vor 1200 Jahre. In den letzten Jahr- zehnten des 20. Jahrhunderts wurden die katholische St. Marienkirche, die ev. luth. St. Johanniskirche und das ehemalige Franziskanerkloster umfassend saniert. Im letzteren wurden der katholische Kindergarten und das Pfarrgemeindezentrum untergebracht.

2004/05 entstand eine Bahnunterführung, um die östlich der Altstadt liegenden Wohngebiete besser an diese anschließen zu können. 2005 konnte die Stadt Lügde auf ihre 750-jährige, erste Erwähnung als Stadt zurückblicken. Am 29. September 2005 wurde mit dem Bau der Teilortsumgehung der Lügder Altstadt begonnen. Zwei Jahre später, am 29. September 2007 richtete ein Emmer-Hochwasser im Bereich der Umgehungsstraßenbaustelle erheblichen Schaden an. Da zeitweise die Gefahr bestand, daß ein Baukran durch das Hochwasser umstürzte, mußten Teile der Hinteren- Brücken- und Mühlenstraße vorübergehend evakuiert werden.

2009/2010 feierte die Stadt Lügde, gemeinsam mit der Nachbarstadt Bad Pyrmont, die 1225 jährige Wiederkehr des Besuches Karls des Großen 784, die jeweils 20 jährige Städtepartnerschaft mit Angermünde bzw. Bad Freienwalde, 825 Jahre Burg Pyrmont und 755 Jahre Stadtrechte Lügde.

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Die Grafen von Pyrmont, Stadtherren von Lügde

Widekindus von Schwalenberg, Sohn von Widekindus von Schwalenberg (1144 - 1186)
seit 1184 Graf von Pyrmont (genannt 1187/89)
Gottschalck (Senior) von Pyrmont (1221 - 1247) verheiratet mit Gräfin Kunigunde von Holte
Gottschalck von Pyrmont (1222 - 1262) verheiratet mit Gräfin Beatrix von Hallermund
Hermann von Pyrmont (1258 -1292)
Hermann von Pyrmont (1289 - 1328) verheiratet Gräfin Lutgardis von Schwalenberg
Gottschalck von Pyrmont (1314 - 1341) verheiratet Adelheit von Homburg
Hermann von Pyrmont (1341 - 1371) verheiratet Oda
Hermann von Pyrmont (1371 - 1378)
Heinrich der Ältere von Pyrmont (1375 - 1418) verheiratet 1.Ehe Pelleke; verheiratet 2. Ehe Haseke von Spielenberg
aus 1. Ehe Heinrich von Pyrmont (1422 - 1457)
Moritz von Pyrmont (1432 - 1494) verheiratet Margaretha von Nassau-Beilstein († 1498), Witwe des Johann von Vianden-Schöneck

zu erwähnen wären noch:
Bodo, 1371 - 1395 Abt des Klosters Corvey
Moritz (1420 - 1464), hatte zwei illegitime Söhne (Heinrich Feuerberg und Alter Moritz von Oesberg)
Godecke 1464 - 1477 Äbtissin von Neuenheerse

Die Fürstbischöfe von Paderborn, Stadtherren von Lügde

1661-1683 Ferdinand II., Freiherr von Fürstenberg
1683-1704 Hermann Werner, Freiherr von Wolf-Metternich
1704-1718 Franz Arnold, Freiherr von Wolf-Metternich
1719-1761 Clemens August, Herzog von Bayern
1763-1782 Wilhelm Anton, Freiherr von der Asseburg
1782-1789 Friedrich Wilhelm, Freiherr von Westfalen
1789-1802 Franz Egon, Freiherr von Fürstenberg, dann
1802-1825 Reichsfürst und Bischof von Paderborn und Hildesheim